Von Swakopmund zum Mount Etjo

Es waren erst wenige Tage in Namibia vergangen und ich durfte große Erlebnisse erfahren. Auch jetzt in der Rückschau drängen sie sich in den Vordergrund.  Doch es gab noch viele leise Momente, die diese Reise  besonders machten. 

18 Uhr in Swakop.

Wir saßen auf der Terrasse vom Ocean Cellar – ein Tisch direkt mit Blick auf den Atlantik.. Auf dem Tisch standen kühle Getränke, gutes Essen und im Hintergrund das Rauschen des Meeres. Vor uns dieser Himmel.

Die Menschen in Swakop und vielleicht in ganz Namibia feiern den Sonnenuntergang beinahe wie ein tägliches Ritual. Verständlich an einem Ort, an dem die Sonne sichtbar im Atlantik versinkt.

Ich habe in meinem Leben mehr Sonnenaufgänge als Sonnenuntergänge gesehen. Vielleicht, weil die Morgen oft mit Aufbruch verbunden sind. Mit Bewegung. Mit dem Wunsch weiterzugehen.

Das Licht wurde weicher und die Sonne schwebte wie eine Lichtkugel über dem Meer. Dann verschwand sie hinter dem Horizont und der Himmel verfärbte sich langsam, erst goldfarben, dann orange, rot, violett. 

Während wir schwiegen und auf das Meer blickten, hatte ich für einen Moment das Gefühl, dass nichts fehlte.

Wenn ich weiter darüber nachdenke, gab es viele solcher leisen Momente. Da war der Spaziergang am endlos langen Sandstrand in der Walvis Bay. Stille Momente bei gemeinsamen Mahlzeiten. Schweigen im Auto und die Landschaft zog an uns vorbei und immer wieder: Sitzen am Meer und der Blick schweifte in die Weite.

Atlantik an der Walvis Bay

Die leisen Momente überhören wir oft. Vieles muss groß, spektakulär oder außergewöhnlich sein. Vielleicht sind es gerade die leisen Momente, die uns wieder in Balance bringen. 

Im Nachklingen dieser Reise und beim Schreiben dieses Blogbeitrags wurde ich wieder einmal daran erinnert, wie ich leben möchte: Wacher, in Balance, mehr bei mir. 

Swakop konnte ich nur schwer verlassen.

Ich mag diese Stadt am Atlantik mit ihrem besonderen Licht, mit den breiten Straßen und der frischen Meeresluft. Doch unsere Reise ging weiter ins Landesinnere. Vor uns lagen viele Stunden Autofahrt durch eine Landschaft, die scheinbar immer weiter wurde. 

Wir fuhren durch eine Halbwüste, eine Savanne mit kleinen Grünflächen, Dornbüschen, einzelne Akazien und immer wieder Gesteinserhebungen, uralte Formationen. Vorbei an Orten, deren Namen in meinen Ohren wie kleine Melodien klingen: Henties  Bay, Omaruru oder Otjiwarongo – was für ein schöner Name!

Auch unzählige Termitenbauten formen die Landschaft. Manche sind klein wie Erdhügel, andere mehrere Meter hoch. Sie gehören so selbstverständlich zum Landschaftsbild wie bei uns die Birke. 

Unser Ziel war die Lodge Mount Etjo. Der Mount Etjo gehört zu den eindrucksvollsten Bergen Namibias. Sein Plateau erreicht eine Höhe über 2.000 Meter. Er liegt nahe bei der Stadt Otjiwarongo. Später las ich, dass der Mount Etjo aus uralten Sand- und Dünenablagerungen entstanden ist. Versteinertes Dünenmeer aus einer Zeit, in der Dinosaurier die Erde bevölkerten. Und der Berg selbst gilt für die Herero (ein traditionelles Viehzüchtervölkern) als bedeutender spiritueller Ort. „Etjo“ bedeutet in Otjiherero sinngemäß „Schutz“. 

Die Weite Namibias und Mount Etjo
Spitzkoppe / Namibia

Dann tauchte vor uns ein großes Tor auf.

Ein Wächter kontrollierte unsere Namen, erst danach durften wir weiterfahren. Wir waren angekommen. Mount Etjo Lodge. Paviane begrüßten uns, liefen quer über die sandige Straße und waren dann wieder in den Bäumen verschwunden. Die Mount-Etjo-Lodge ist zauberhaft schön mit einer wunderschönen Gartenanlage, einem  Pool, Palmen und einem angrenzenden Wasserloch, das Vögel und Wildtiere anlockt. Die Lodge befindet sich im Okonjati-Wildreservat. Es ist ein privates Reservat, umrahmt von Zäunen, obgleich sich die Landschaft grenzenlos anfühlt. Das Gebiet umfasst mehrere zehntausend Hektar Busch- und Savannenlandschaft. Dort leben Giraffen, Zebras, Oryxantilopen, Kudus, Warzenschweine, Nashörner und viele weitere Wildtiere. Und diese Tiere durfte ich später aus nächster Nähe sehen. 

Mount Etjo Safari Lodge
Wasserloch an der Mount Etjo Safari Lodge

Noch ehe ich richtig angekommen war, saß ich bereits in einem offenen Safari-Fahrzeug. Plötzlich war eine Erinnerung aus meiner Kindheit sehr präsent. Ich musste an “Daktari” denken. An den frühen Abenden, an denen ich gebannt vor dem Fernseher saß.  An Bernhard Grzimek und seine Sendung „Ein Platz für Tiere“. Keine Sendung durfte ich verpassen. Damals träumte ich von Afrika, ohne zu ahnen, dass ich eines Tages tatsächlich hier sitzen würde.

Nun saß ich neben einem Ranger und fuhr durch die Savanne Namibias. Ein Ranger in Namibia kennt die Natur und all die Tiere. Ein Ranger liest all die Spuren, die ein Tier in der Natur hinterlässt und wie ein Luchs saß er hinter dem Steuer, machte uns aufmerksam, wo welches Tier zu sehen war. Englisch wurde gesprochen und wieder einmal bereute ich es, dass  ich mein “Englisch auffrischen” immer wieder auf die lange Bank schiebe. 

Game Drive
Picknick während des Game-Drives
Eine Gruppe Springböcke
Kudu am Wasserloch

Zebras im Mount Etjo Private Game Reserve.
Ein Nashorn mit seinem Jungtier

Mit großen wachen Augen blickte ich rechts und links. Ein Kudu, Eland’s, Warzenschweine, und weit in der Ferne Zebra’s. Dann sah ich eine Giraffe. Und nicht nur eine. Eine ganze Herde. Sie reckten ihre langen Hälse über die Büsche hinweg und fraßen scheinbar mühelos die Blätter der Akazien. So oft hatte ich Bilder von Giraffen gesehen. Doch sie in freier Landschaft zu erleben, war etwas völlig anderes. Nach einer langen Fahrt erblickten wir sie dann: Elefanten und später sahen wir auch noch Löwen.

Schönster Vogel Namibias: Gabelracke
Butterbaum in den Weiten von Namibia

Satt und entspannt – ein Löwe nach dem Fressen
Löwin – auch satt und entspannt

Seine Größe beeindruckte mich

Der Tag endet dann in einem traditionellen afrikanischen Lapa. Hier wurde das Abendessen serviert, am Lagerfeuer mit Blick auf den Sternenhimmel. In dieser Atmosphäre und nach all den Eindrücken des Tages kullerten Tränen. Nicht aus Traurigkeit. Aus Dankbarkeit. Vielleicht waren es die vielen Eindrücke des Tages. Vielleicht die Begegnung mit den Tieren. Vielleicht die Erinnerung an das kleine Mädchen, das einst „Daktari“ schaute und von Afrika träumte. Wieder nahm ein Lieblingsmensch meine Hand und nahm Anteil an meinem Berührtsein. Für einen Augenblick war da eine tiefe Verbundenheit zwischen uns, die mich fast ebenso berührte wie die Erlebnisse dieses Tages. Erst dann konnte ich das köstliche Essen genießen. u. a. Pap. Es ist eine  Speise aus Maismehl & Wasser und gehört für viele Namibier so selbstverständlich zum Alltag wie bei uns Kartoffeln. 

Auf unserer Namibia-Reise hatte ich bereits viele Tiere gesehen – nur mein Lieblingstier war mir noch nicht begegnet. Doch das sollte sich bald ändern.

Eure Heike

Wenn du Lust hast, weiter mitzureisen, findest du hier die bisherigen Etappen meiner Namibia-Reise:

https://heikeespeter.de/ankommen-in-namibia-zwischen-staunen-und-weite/

https://heikeespeter.de/swakopmund-wo-atlantik-und-wueste-sich-begegnen/

1 Kommentar

  1. Eine Freude denBericht zu lesen ! Ich erlebe einige Details von meinen Besuchen in Namibia. Wenn ich könnte- sofort wieder!
    Vielen , vielen Dank liebe Heike. Mach weiter- ich warte schon 😃

    Antworten

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