Swakopmund — oder einfach Swakop, wie die Küstenstadt zwischen Atlantik und Wüste liebevoll genannt wird — verzauberte mich sofort.
Und wenn mir dieses Wort in den Sinn kommt, dann darf es wohl genauso dort stehen.
Wer mich kennt, ahnt vermutlich, wonach ich mich als Erstes sehnte:
Schuhe und Strümpfe ausziehen und mit nackten Füßen hinein in den kalten Atlantik.
Genuss pur. Den weichen Sand unter den Fußsohlen, wie sie leicht einsinkten und für eine kurze Zeit einen Fußabdruck im Sand hinterlassen – dann das Wasser, wie es kommt und geht. Ich ging einfach am Strand entlang, atmete die frische klare Luft und alles wurde ein wenig langsamer.


Der kalte Atlantik hielt mich jedoch nicht davon ab, darin schwimmen zu gehen. Ganz im Gegenteil. Ich freute mich darauf. Man wies mich jedoch darauf hin, wegen der starken Strömungen und der Kraft des Atlantiks nur innerhalb der Mole zu schwimmen.
Es ist etwas völlig anders in einem kleinen See ins kalte Wasser zu gehen oder in den Atlantik. Hier war das Wasser wesentlich lebendiger. Wellen, das Salzwasser, der kühle Atlantikwind und dann diese endlose Weite, die ich durch die Mole sehen und fast ein wenig fühlen konnte. Ich kam mir ein wenig verloren und einige Millisekunden fühlte ich mehr Unsicherheit als in unseren Gewässern. Doch es hielt mich nicht davon ab, jeden Morgen, den ich in Swakop verbrachte, das Meer zu begrüßen und das kalte Salzwasser auf meiner Haut zu spüren.
Wie ich es liebe.


Als wir in Swakop ankamen, war gerade der 1. Mai – auch in Namibia ein Feiertag. Darüber war ich ein wenig verwundert . Auch ein Feiertag in Namibia? Der Tag der Arbeit in Namibia? Später erfuhr ich, dass der 1. Mai in Namibia ebenfalls für Arbeitnehmerrechte und Freiheit steht.
In Namibia hat dieser Tag zusätzlich eine besondere politische Bedeutung, weil das Land lange unter Kolonialherrschaft und später unter südafrikanischer Apartheid stand. Viele Menschen mussten damals unter sehr schwierigen Bedingungen arbeiten. Deshalb ist nach wie vor der 1. Mai auch ein Symbol für Freiheit, Würde und Unabhängigkeit.
Bei einem Bummel durch die Küstenstadt mit immer noch Bauten aus der Kolonialzeit trafen wir auf einen Namibier und er erzählte uns von den DDR-Kindern. Zu DDR-Zeiten wurden Kinder aus Namibien in die DDR gebracht — weit weg von ihrer Heimat, in der Hoffnung auf Bildung und Sicherheit. Viele von ihnen wuchsen mit deutscher Sprache, deutschen Liedern und einem Leben zwischen zwei Welten auf. Später kehrten sie zurück nach Namibia und mussten doch feststellen, dass Heimat nicht immer der Ort ist, an dem man geboren wurde. Ich dachte lange darüber nach, wie es sich anfühlen muss, zwischen Ländern, Erinnerungen und Identitäten aufzuwachsen.
Walvis Bay
Unweit von Swakop liegt die Walvis Bay. Dort befindet sich der größte Namibische Hafen. Was mich heute erwarten sollte, wird unvergesslich bleiben. Mit einem Katamaran fuhren wir hinaus aufs Meer – oder zumindest fühlte es sich so an, denn vielmehr ist es eine große Bucht, in der wir uns mit dem Katamaran bewegten. Eine ziemlich große Bucht. Du kannst es dir auf der Karte anschauen. Bucht ist nicht gleich Bucht. Eine Bucht an der Nordsee ist kleiner als eine Bucht am Atlantik.
Bestes Wetter für eine solche Fahrt hatten wir leider nicht. Kein blauer Himmel, keine Sonne in Sicht – grau.. Wie heute bei mir zuhause in Deutschland. Seit Tagen überwiegend grauer Himmel. Aber das Wetter ist wie es ist. Der Wind wehte uns um die Ohren, ich hatte einen dicken Schal um meinen Hals gewickelt und eine Wolldecke hielt meine Beine warm. Die Fahrt war für über 3 Stunden geplant und die erste Zeit geschah scheinbar nichts. Wir saßen auf dem Katamaran und um uns nur das Meer und Grau. Dann erblicken wir die ersten Seehunde. Plötzlich tauchte völlig unerwartet vor uns ein Wal auf. Ein Buckelwal. Er blies Wasser in die Luft und verschwand wieder unter der Oberfläche.Ein intensiver, fast beißender Geruch lag plötzlich in der Luft. Alle auf dem Katamaran zogen ihre Handys hervor und blickten gespannt auf das ruhige Meer.
„Da!“, rief jemand.
Sein dunkler Rücken tauchte erneut auf. Wieder dieses kraftvolle Blasen. Ich stand wie erstarrt am Bug des Katamarans.
Dann hob er seine gewaltige Flosse und verschwand erneut im Meer.
Ich hatte einen Wal gesehen.
Und er stank.
Aber dieses Geräusch seines Auftauchens habe ich bis heute in den Ohren.

Wenig später sprang ein Seehund auf unseren Katamaran. Und er kam zu mir auf meinen Schoß. Ich konnte ihn streicheln, immer wieder. Ich fühle mich glückselig und reich beschenkt. Der Seehund schaute mich mit seinen riesengroßen Augen an, so viel Milde und Liebe in diesen großen Kulleraugen..
Es gibt eine Vielzahl von Seehunden an der Walvis Bay. Kleine Robbenbabys. Große Robben und einige wenige Bullen. Auf einer Sandbank befinden sich mehr als 50.000 Robben. Robbenbabys, die Laute von sich geben und nach ihrer Mutter schreien. Daneben die Bullen, die mit ihrem kräftigen Gebrüll deutlich ihre Kampfbereitschaft signalisierten.
Verwundert waren wir darüber, dass nur zwei drei Pelikane in Sicht waren. Vielleicht lag es an der Jahreszeit. Doch dann sah ich noch zwei Delphine, die für kurze Zeit unseren Katamaran begleiteten und dann schwammen sie wieder fort.



Pink Lakes
Am darauffolgenden Tag fuhren wir zu den Salzseen unweit von Swakopmund. Ein Wunder der Natur! Wir fuhren entlang der Küste – auf einer Seite die Wüste, auf der anderen Seite der Atlantik. Wir fuhren immer weiter hinein, bis nur noch ein schmaler Sandweg zwischen den Wasserbecken blieb. Rechts und link das Meer. Mulmiges Gefühl, mit einem Geländefahrzeug so nah am Wasser vorbeizufahren. Dann tauchten sie auf: die Salzseen. Ich sah ein Rosa, wie ich es noch nie zuvor in der Natur erblickt hatte. Rosa Wasser soweit mein Auge sehen konnte. An den Ufern bildeten sie Salzablagerungen und weiße Schaumflocken




Weißt du, wie das Rosa entsteht?
Am Anfang ist das Wasser in den Salzbecken oft eher grünlich. Das liegt daran, dass darin kleine Algen leben. Diese Algen mögen salziges Wasser und enthalten Chlorophyll — ähnlich wie Pflanzen. Deshalb wirkt das Wasser grün. Dann geschieht etwas Interessantes:
Durch Sonne, Hitze und Wind verdunstet immer mehr Wasser. Das Salz wird dadurch immer konzentrierter. Viele Lebewesen halten diese extreme Salzmenge nicht mehr aus. Jedoch einige besondere Mikroorganismen überleben trotzdem. Diese färben das Wasser rosa bis rötlich. Vor allem:eine Alge namens Dunaliella salina und bestimmte salzliebende Bakterien. Sie bilden Farbstoffe, um sich vor der starken Sonne und dem Salz zu schützen. Diese Farbstoffe sind orange-rosa-rot — und deshalb verändern sich die Becken mit der Zeit farblich.
All das wusste ich natürlich noch nicht, als ich diese Farbenpracht sah.
Ist es nicht wundervoll, wie die Natur Farben und Formen hervorbringt — größer und überraschender als vieles, was wir Menschen planen oder begreifen können?
Swakop ist noch nicht zu Ende erzählt.
Eure Heike





Dein Bericht holt mich in viele schöne Erinnerungen an meine Reise 🌳DANKE