Radtour polnische Ostsee: Die Bäume bleiben. 

Die Ostseetour mit meinem Fahrrad ist vorbei. Es war eine intensive Zeit! Ich vergesse auch immer, was für kleine und große Herausforderungen mich erwarten, wenn ich eine Reise antrete, alleine. Vielleicht ist das auch gut so.

Aber wo jetzt anfangen? Und wenn ich ehrlich bin, würde ich lieber all meine Bücher, die hier herumliegen, in mein neues Bücherregal einräumen. Endlich mehr Platz für meine Bücher, sodass ich sie auch nach Themen sortieren kann. Vor vielen Jahren habe ich einige Bücherregale aufgelöst. Was sollte ich schon mit soooo vielen Büchern? Jetzt bin ich schon wieder dabei, Bücherregale in mein Leben zu holen. Manches kommt einfach immer wieder. Und außerdem: Über die Bücher wollte ich hier gar nicht schreiben, sondern über meine Solo-Fahrradtour entlang der polnischen Ostsee.

Scrolle ich durch meine Bilder, die ich während meiner Reise mit dem Handy gemacht habe, zeigen sich keine Bilder, die herausragend sind, wie die Kreidefelsen auf Rügen letztes Jahr. Was als Erinnerung zurückbleibt, sind die vielen Wälder. Der Wolin Nationalpark und die endlos langen weißen Sandstrände.

Die Bäume, die Bäume bleiben.

Diese urwüchsigen Wälder. Dann dieser intensive, harzig-würzige Duft der vielen Kiefern. Viele wachsen scheinbar bis in den Himmel hinein. Das Meer konnte ich schon lange nicht mehr hören, so tief im Wald war ich drin. Doch die Sonne blickte immer wieder zwischen den schlanken Bäumen hindurch und es zeigten sich schöne Lichtspiele auf dem moosigen Waldboden oder Farn und Heidekraut leuchten hell auf.

Fahrradfahren war auf den Wegen – zumindest mit meinem Trekkingrad – kaum möglich. Viele Kilometer schob ich. Diejenigen, die ein Gravelbike oder ein Mountainbike fuhren, konnten problemlos durchflitzen. Die sind dann aber auch geflitzt! 

Während ich mein Fahrrad schob, konnte ich den Bäumen persönlich „Hallo“ sagen. Doch mit jedem Kilometer, den ich mein Fahrrad schob, begann ich wütender zu werden, weil es mir langsam reichte. Ich wollte kein Geruckel mehr und meine rechte Schulter verkrampfte sich vom Festhalten des Lenkers. Wollte Schreien und tat es nicht.

Doch ich bestimme nicht, wann es reicht. Der Weg ist der Weg.  

Es gibt diesen einen und das heißt, Schritt für Schritt weitergehen. Weiter Bäume und Steine grüßen, bis der Weg ein Ende findet. Ich könnte natürlich weiter fluchen, doch was hilft’s?

Also schob ich weiter. 

Währenddessen bemerkte ich, dass sich Gestalten zwischen den Bäumen bewegten und langsam umher gingen. Sie liefen zwischen den Bäumen und schauten auf den Waldboden. Häufig hatten sie eine Tüte in ihren Händen. Ich wurde neugierig, und als ein älterer Herr den Weg querte, an seinem Fahrrad Halt machte und einen Eimer abstellte, sprach ich ihn an.

Mit Händen und Füßen versuchte ich zu fragen, was er dort suchen würde. Doch mit dem Blick in den Eimer war meine Frage schnell beantwortet:

Pilze.

Große, richtig große Pilze. Der ganze Eimer voll.

Seine Frau kam hinzu und zeigte mir einen besonderen Pilz.  Sie erzählte mir, dass dies ein Jesus-Pilz sei, ein ganz besonderer Pilz. Mit Hilfe einer Übersetzungs-App versuchte sie mir zu erklären, dass dieser Pilz wohl eine Rarität sei. Sie wirkte so stolz, dass sie einen Jesus-Pilz gefunden hatte. Ja, ja, ein Jesus-Pilz.

Ach, das war eine schöne Begegnung und dann schob ich weiter mein Fahrrad.

Der Weg ist der Weg. Wohin er mich als Nächstes führte, erzähle ich im nächsten Beitrag.

Herzlich,

Heike

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