Wie beginnt man einen Monat, wenn man weiß, dass am Ende ein außergewöhnlicher Urlaub wartet?
Ich begann den April sehr ruhig. Wenn ich ihn mit einer Landschaft vergleichen müsste, dann wäre es eine Wüste. Weit. Still. Unaufgeregt und auch eher Rückzug als Aufbruch. Ich vermute, dass es so nötig war: nicht die Energie nach außen tragen, sondern sie sammeln. Denn wie gesagt, mir steht ein außergewöhnlicher Urlaub bevor.
In den letzten Tagen, besonders in der letzten Woche, fühlte es sich an, als würde ich langsam Anlauf nehmen, als würde sich in mir etwas ausrichten – hin zu dieser Energie, die mich erwartet. Heute Morgen, beim Sonnenaufgang, habe ich es gespürt. Ich lag im Bett, die Vorhänge waren bereits geöffnet und so fiel das erste Licht direkt in mein Schlafzimmer.
Herrlich! Orange-gelbes Leuchten am Himmel, darüber ein klares Blau. Keine Wolke. Vogelstimmen. In diesem Moment war der Gedanke da “In wenigen Tagen werde ich einen Tagesbeginn in Afrika erleben”.
Momente, die mich berührt haben und nachklingen
Es waren zwei besondere Momente in diesem Monat, an die ich mich gerne erinnere – einmal zwischen Tieren im Morgenlicht und einmal mitten in der Stadt.
An einem Sonntag in der Früh besuchte ich den Tannenbusch, ein Tierpark in Dormagen. Die Luft war kühl, und die Sonne fiel durch das frische Grün der alten, hohen Bäume. Um die Uhrzeit war ich fast allein im Tierpark, in dem ich seit vielen Jahren nicht mehr gewesen bin.
Früher, als mein Sohn klein war, sind wir oft hier gewesen. Später gehen viele als Großeltern mit ihren Enkeln dorthin. Ich kam allein – mit meiner Kamera, um die Tiere zu besuchen.
Ich hatte vergessen, wie schön das ist. Sie zu beobachten und zu sehen, was für einen Unfug sie treiben, wie sie sich pflegen, wie sie spielen. Da war sie wieder – diese Leichtigkeit.
Dann der Pfau – dieses Blau! Klar und beinahe berauschend. Sein Ruf durchdrang mich und empfand ihn als fremd. Dann diese lange, beeindruckende Schleppe!! Ein wenig Wehmut lag in mir, als ich die weiße Eule nur in einer hinteren Ecke entdecken konnte. Ich liebe Eulen. Sie tragen für mich etwas Mystisches in sich.




Mitten in der Stadt
Wir haben ja alle unsere liebgewonnenen Gewohnheiten, kleine Rituale. Mein Wochenende beginnt üblicherweise mit Bewegung und das morgens um 8 wenn sich die Türen des Fitness-Studios öffnen. Nach dem Programm steige ich dann meistens auf mein Fahrrad, noch ganz in dieser frischen, klaren Energie und fahre in unser kleines Städtchen. Ein wenig bummeln und über den Marktplatz schlendern. New York ist es weiß Gott nicht und doch hat das Städtchen etwas. Jetzt zu diesem Samstag. Ich kam aus einem kleinen Laden und sah auf der anderen Straßenseite eine Frau. Einen Moment zögerte ich – ist sie das? Dann erkannte ich sie.
Wir begrüßten uns herzlich und ich freute mich wirklich, sie zu sehen. Es ist selten, dass wir uns hier begegnen – sie liebt die Natur mehr als die Stadt. Vielleicht ist sie mir auch deshalb so nah. Wir blieben stehen – mitten auf dem Marktplatz und freuten uns einfach. Nichts drängte, niemand wartete auf uns. Da war sofort diese warme, leichte Energie zwischen uns und dann taten wir etwas, das so selbstverständlich klingt, es aber für uns nicht ist. Wir setzten uns in ein Café und saßen später bei Apfelschorle und Kaffee latte nebeneinander. Wir sprachen und irgendwann wurde es stiller in dem, was wir sagten.
Meine Freundin sprach etwas aus, das sie bewegte. Etwas, für das sie sich ein wenig schämte und ich merkte: Mich bewegte es auch. Dieser kurze Moment des Zögern und dann haben wir es beide ausgesprochen. Mitten auf dem Marktplatz. Kein Tratsch, kein Ausweichen, sondern ehrliches Mitteilen Es war genau das, was diesen Moment so besonders gemacht hat: das wir uns in einer Offenheit begegnet sind – auf dem Marktplatz.

Was ist in diesem Monat entstanden?
- Mein Himmelsjournal wächst. Ich habe große Freude an den Wolken, an dem Himmel. Mal schauen, was daraus weiter entsteht. https://heikeespeter.de/category/himmelsjournal/
- Zwei neue Texte über mein nüchternes Leben sind entstanden. Immer wieder taucht der Gedanke auf, ich müsste einen genauen Plan haben über das was ich hier Schreiben will auf meiner blogseite. Doch es ist eher umgekehrt. Das Schreiben findet mich. https://heikeespeter.de/ich-bin-da-mein-alkoholfreies-bewusstes-leben/ https://heikeespeter.de/nuechtern-2011-heute-und-der-zweifel/
- Und wieder habe ich gemalt. An diesem Bild kann ich sehr gut erkennen, was mir gut gelungen ist und was weniger. Alles ist im Prozess und nur durch’s Tun werden wir besser – wenn wir es denn werden wollen.

„Motivational Interviewing“
Seit Jahren nahm ich mir vor, dieses zweitägige Seminar zu besuchen. Es war sehr intensiv. Viel Input und viele Gruppenübungen. Ich habe gemerkt, wie anstrengend das für mich war. Besonders dieses Arbeiten in Gruppen und das schnelle Umsetzen. Nicht mein Ding. Oft hatte ich das Gefühl, nicht richtig mitzukommen und nicht umsetzen können was erwartet wurde. Und an einem gewissen Punkt ist es dann passiert, anstatt innezuhalten, begann ich mich abzuwerten. Vielleicht kennst du das. Erst später kamen andere Gedanken: Vielleicht war es einfach zu viel. Vielleicht hat es nicht zu mir gepasst – zumindest nicht in dieser Form. Und ich darf mich immer wieder daran erinnern: Freundlich zu mir zu sein.
Für den Herbst
Eine Anfrage kam wieder zu mir. Die Fachambulanz Sucht meldete sich bei mir. Sie würde sich freuen, wenn ich im Rahmen der „Woche der seelischen Gesundheit“ eine kleine Lesung zu halten würde. Die Woche der seelischen Gesundheit findet immer im Herbst statt, diesmal unter dem Motto „Miteinander statt nebeneinander – für eine Gesellschaft, in der jede Psyche zählt. Gemeinsames Ziel ist ein Miteinander. Ganz besonders Betroffenen von schweren psychischen Erkrankungen benötigen wirksame Unterstützung und gesellschaftliche Akzeptanz. Die Aktion unterstützte ich gerne und ich freue mich auf die Lesung im Herbst.
Nicht zu vergessen:
- Der Buchclub traf sich wieder – lesen „Der Honigmann“
- Fitness-Studio 2 – 3 mal die Woche
- Münster besucht
Was hat dich in diesem Monat berührt und vielleicht magst du mir davon erzählen?
Ich freue mich von dir zu lesen.
Heike
In meinem Tempo





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