Vor wenigen Tagen saß ich stundenlang auf dem Sofa und las. Ein Krimi, über 400 Seiten. Um genauer zu sein: “Wolfskälte” von Laura McCluskey. Ich konnte einfach nicht mit dem Lesen aufhören. Eigentlich ist das nichts besonders. Die Überraschung ist mit meinen 60 Jahren: Ich war jahrzehntelang überzeugt, dass Krimis nichts für mich sind. „So jemand bin ich nicht.“
Ich hielt dieses Genre für trivial. Für Massenware. Für nicht literarisch genug. Ohne es zu merken, hatte ich damit auch mich selbst in eine Schublade gesteckt und damit all die anderen Menschen, die gerne Krimis lesen.
Inhaltsverzeichnis
Meine Liebe zu Schubladen
Meine Zweiflerin liebt klare Kategorien. Sie gibt mir Sicherheit. Sie schützt mich vor Überraschungen und ich muss mich nicht neu prüfen. Doch genau da wurde es spannend. Denn was zählt mehr? Das Bild, was ich von mir habe, das was ich alles so denke oder das, was ich tatsächlich tue?
Ich habe einen Krimi gelesen – sogar mit Begeisterung. Mein altes Bild von mir stimmt nicht mehr. Oder hat es vielleicht nie gestimmt?
Wo denke ich noch: „Das ist nichts für mich“?
Vielleicht ist dieser Krimi nur ein Symbol. Wo denke ich noch zu eng über mich? Wo sage ich vorschnell:
„Dafür bin ich nicht der Typ“
„Das können andere besser“
„In meinem Alter fängt man damit nicht mehr an“
Jetzt mit 60 merke ich: Viele dieser Sätze haben nichts mit Wahrheit zu tun. Sie sind Gewohnheit! Und Gewohnheit fühlt sich sicher an. Aber lebendig ist etwas anders.
Die Entdeckerin in mir
Doch gott sei dank gibt es nicht nur die Zweiflerin in mir. Da gibt es nämlich noch die Entdeckerin! Sie zeigt sich, wenn ich unterwegs mit meinem Fahrrad bin. Oder wenn ich in meiner Funktion als Sozialarbeiterin im Gespräch bin – auf der Suche nach Ressourcen.
Meine Entdeckerin will ausprobieren, sie wollte das Eisbaden, sie will weiter die Welt erforschen. Sie will lesen, was sie noch nie gelesen hat. Und sie will Dinge tun, die sie sich früher nicht erlaubt hatte.
Vielleicht geht es im Leben – und gerade auch in der dritten Lebensphase – um genau das: Die Entdeckerin lebendig erhalten. Nicht noch enger werden, nicht noch starrer, nicht an Überzeugungen festhalten.
Was wäre, wenn…
Das Jahr 2026 ist gerade einmal wenige Wochen alt. Was wäre, wenn wir dieses Jahr nutzen würden, um unsere Schubladen zu öffnen? Wir brauchen ja nicht alles über Bord zu werfen, aber zumindest mal nachschauen? Stimmt das wirklich noch?
Vielleicht ist der Krimi nur mein persönlicher Anfang. Es gibt noch so vieles , das auf uns wartet, wenn wir uns erlauben uns neu zu definieren. Wo sind wir bereit, uns nicht mehr selbst zu begrenzen?
Und jetzt du
Wo sagst du noch:
„Das ist nichts für mich“?
Und was wäre, wenn du es einfach einmal ausprobierst?
Fakt ist für mich: Ich werde in den nächsten Tagen die Buchhandlung aufsuchen und nach einem neuen Krimi stöbern.
In meinem Tempo.
Heike





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