Heute ist der 1. Advent. Draußen ist es noch dunkel. Die erste Kerze brennt. Kira – meine Katze – sitzt auf einem meiner Stühle am Schreibtisch und putzt sich emsig. Kater Kaspar liegt schlafend auf der Heizung und träumt selig vor sich hin. Wie dankbar ich bin, dass diese zwei Wesen in meinem Leben sind. Der November war leise und unspektakulär. Beinahe so zurückgezogen wie die Natur selbst. Vieles habe ich nicht in die Tat umgesetzt. Das wenige, was ich getan habe, tat ich jedoch mit vollem Herzen. Na ja – nicht immer ganz. Aber ehrlich genug, es mir einzugestehen.
Inhaltsverzeichnis
Meditation und Atemübungen
Ich habe endlich einen Ort gefunden, der nur mir gehört. Ein kleiner Rückzugsplatz gemütlich und ohne viel Brimborium. Lange habe ich in meiner Wohnung nach solch einem Platz gesucht. Ich habe überlegt und Möbel geschoben. Immer wieder. Wo könnte dieser Raum sein, an dem ich Ruhe finde, der mich hält und mir Kraft gibt. Jetzt ist er da. Endlich. Und ich merke, wie sehr ich mich danach gesehnt habe. Schon seit Jahren wollte ich mir so einen Platz schenken. Jetzt habe ich ihn.
So sitze ich jetzt jeden Morgen an meinem Platz, zünde eine Kerze an, bete und komme bei mir an. Ich sinke in die Stille, lasse meinen Atem ruhiger werden und spüre, wie etwas in mir weicher wird. Die Atemübungen gehören inzwischen dazu.
Ich sehne mich danach, dass dieser Platz zu einem heiligen Ort wird. Ein Ort, der mir Ruhe schenkt und an dem ich mich nicht verliere.

Eisbaden
Mindestens 2 x die Woche gehe ich ins kalte Wasser. Und glaubt mir: In diesen wenigen Minuten ist für mich die Welt in Ordnung. Wirklich. Vielleicht liegt es daran, dass ich im Wasser ganz da bin und sonst nirgends, nur im Moment. Genau darin liegt das Wunder.
Vor ein paar Tagen wurde ich gefragt, ob ich mich nicht irgendwann an das kalte Wasser gewöhnt habe. Nein. Es bleibt jedes Mal ein Angang. Es bleibt jedes Mal neu. Und gerade das fasziniert mich: Das Erleben ist niemals Routine. Jeder Moment ist frisch und unvorhersehbar. Selten bin ich so wach wie beim Eisbaden. Dann sind alle Sinne offen, der Körper voller Adrenalin und ich fühle mich lebendig.
Ein Geschenk vom Eisbaden ist: dass mir mehr und mehr bewusst wird, welch ein Wunderwerk mein Körper ist. Das ist nicht „Wissen im Kopf“, das spüre ich mit jeder zweiten Zelle an meinem Körper.
Eigentlich wusste ich schon in meiner Schwangerschaft, welch ein Wunderwerk mein Körper ist. Damals war mein Staunen groß. Doch mit den Jahren ist dieses Gefühl leiser geworden, fast verschwunden. Und vielleicht führt mich genau das Eisbaden wieder dorthin zurück: zu diesem Staunen über das was mein Körper alles kann und schafft.


Meine To-Want-Liste
Ich weiß nicht, was mich da geritten hat. Wie bin ich eigentlich auf die Idee gekommen, mir zum Jahresende – ausgerechnet in dieser dunklen, schweren Zeit – noch so viel vorzunehmen? Vielleicht habe ich mich einfach mitreißen lassen von all den Menschen, die stolz ihre To-Want-Listen teilen.
Am Ende ist meine Liste nur ein Spiegel: meine viel zu hohen Ansprüche an mich selbst. Wirklich, was denke ich mir manchmal?
Wenn ich ehrlich bin, gibt es zwei, vielleicht drei Dinge, die mir wirklich wichtig sind. Die mache ich. Punkt. Zack, bum, bäm und alles andere darf runterfallen.
Meine To-Want-Liste braucht eine radikale Korrektur.

Ich war in Aachen.
Wie lange schon wollte ich diese Stadt!! Endlich, endlich habe ich es getan. Und ehrlich: Eigentlich ging es mir nur um den Dom. Ich bin keine Städtebesucherin. Mich zieht es eher hinaus, zu den Bäumen, Felder und Wiesen. Wenn ich überhaupt eine Stadt besuche, dann nur für ausgewählte Orte. Mich einfach treiben zu lassen zwischen Menschenmengen? Das fällt mir schwer. Zu schnell wird es mir zu viel, zu laut, zu eng.
Eigentlich war es nicht Aachen, das mich anzog. Es war der Dom. Ich liebe Kathedralen – Orte, an denen Menschen das Göttliche gesucht haben, gebetet haben, Trost und Zuversicht fanden. Mich erfüllt Ehrfurcht vor dem, was dort entstanden ist: Steine, Säulen, Fenster, Mosaiken. Alles gebaut um etwas Größerem zu dienen.
Fast hätte ich vergessen zu erwähnen, weshalb ich eventuell noch einmal Aachen besuchen würde: Streuselbrötchen!!! Lecker!! Wieso gibt es dieses leckere Brötchen nicht bei uns?


Buchclub – Mascha Kaléko
Auch in diesem Monat traf sich unser Buchclub. Monika hielt einen kleinen Vortrag über das Leben von Mascha Kaléko – und wieder spürte ich, wie sehr mich diese Frau berührt. Ihr Leben, so voller Brüche und dennoch voller sanfter Kraft. Es berührte mein Herz. Und ihre Gedichte liebe ich ohnehin. Ihre Melancholie und ihr kleiner feiner Witz treffen etwas in mir. Vielleicht, weil ich diese beiden Seiten auch in mir kenne – wenn auch in einer viel stilleren Form.
Der November vor einem Jahr
Ich war zum ersten Mal in meinen Leben in einer Reha, frisch mit zwei neuen Hüften. Es war ein seltsamer Zwischenraum – vieles war unsicher, vieles tastend. Gleichzeitig war eine leise Vorfreude auf etwas Neues. Drei Wochen war ich von Zuhause fort, von meinen Liebsten. Drei Wochen nur und mein Körper. Und die Gehhilfen.
Seitdem fühle ich mich pudelwohl in meinem Körper. Ich kann heute wieder alles tun, was mir vor vielen Jahren selbstverständlich war.
Ich genieße meine neue Beweglichkeit, spüre die Kraft in meinen Beinen, die Kraft in mir. Da ist eine Freude an der Bewegung zurückgekehrt, eine Leichtigkeit, nach der ich mich lange sehnte.


Was mir im nächsten Monat wichtig ist
- Eisbaden – es schenkt mir Lebendigkeit und Freude
- Gym besuchen 2 – 3 mal die Woche – weil mein Körper meine Verbündete ist
- Jeden Tag weiterschreiben an meinem Projekt „365 Tage schreiben“ https://heikeespeter.de/wp-admin/post.php?post=238892&action=edit – um im Schreibfluss zu bleiben
- Lesen täglich – aktuell lese ich: „Die Unbändigen“ von Emilia Hart –
- Das Jahr abschließen und das neue vorbereiten – damit ich auf meinem Weg bleibe
- Meditation & Atemübungen – damit ich in mir Ruhe
- Träumen von meiner nächsten Fahrradtour – mit dem Träumen beginnt die Freiheit
Gebloggt
Mein blogartikel im November:
https://heikeespeter.de/wp-admin/post.php?post=239108&action=edit
Wenn ich auf diesen November zurückblicke, sehe ich Stille, Wasser, Kerzenlicht und erste Schritte in etwas Neues.
Ich nehme all das mit in den Dezember – ohne Anspruch, nur mit Offenheit. Wie war dein November?
Herzlich,
Heike





Liebe Heike, mein November war ausgefüllt. Ich kann endlich nach Monaten wieder zur Wassergymnastik!
Mit Energie und Erwartungen meinen Weihnachtsmarkt vorbereiten
Zu guter letzt: eine Schiffstour auf dem Rhein- Mosel mit vielen Unterbrechungen- Stadtführung- Weihnachtsmärkte- für den Gaumen leckeres Essen 🥘
Kurzes Treffen mit meinem Enkel 😃
So konnte der 1. Advent kommen 🌲
Liebe Heike,
vielen Dank für Deinen Kommentar! Schön, dass andere auch etwas gemütlicher unterwegs sind und To-Want-Listen habe ich nie geschrieben, weil mich das in Erledigungsstress führt. Spassfaktor gleich Null. Kirchen sind toll. Ich erinnere mich, dass ich mal im Dom in Speyer war – voller Besucher. Das schreckte mich total ab, weil dabei die Ruhe des Hauses verloren ging. So schade.
Hab einen wunderbaren Dezember!
Marita
Liebe Heike,
schon beim Lesen deines Monatsrückblicks spürte ich, wie deine Ruhe sich auch auf mich überträgt. Schön, dass du einen Ort gefunden hast, der dein Ruhepol ist und an dem du Kraft schöpfen kannst.
Ein Dom oder schöne alte Kirchen sind wirklich etwas Besonderes und lassen mich manchmal in Ehrfurcht versinken. Manchmal flüchten wir bei einem Städtetripp in die Stille einer Kirche, wenn es zu viel Trubel wird, um kurz zu verschnaufen. Plötzlich kehrt Ruhe ein.
Auf unserer Reise im November in Thailand haben wir einige buddhistische Tempel besucht. Dort fühle ich mich noch viel wohler als in einer Kirche. Während ich mich in Kirchen manchmal eher bedrückt fühle, empfinde ich in Tempeln eher Freude und Leichtigkeit.
Genieße deine Ruhe und den Dezember
Antonette